siehe auch: ganzheitliche Physiologie der Entstehung von Krankheiten

 

Naturheilverfahren

Landläufig wird die Wirkungsweise der Naturheilverfahren damit erklärt, dass sie mit Stoffen arbeiten die aus der Natur kommen.  Sind  aber nicht viele Stoffe in der Natur auch giftig ? Und stammen nicht viele Substanzen, die in der Schulmedizin verwendet werden nicht auch aus der Natur ? Diese Erklärung kann also nicht genügen.

Zunächst einmal existiert im Bereich der Naturheilkunde im Gegensatz zur Schulmedizin eine unterschiedliche Deutung von Symptom und Ursache. Daher ist eine schulmedizinische Diagnose für naturheilkundliche Therapieansätze oft irrelevant.

Während in der Schulmedizin das Symptom, also die sichtbaren Zeichen der Krankheit immer als das primär zu bekämpfende gilt, verhält es sich in der Naturmedizin anders. Hier versteht man das Symptom immer als einen Ausdruck für einen, manchmal frustranen Heilversuch des Körpers. Das Symptom stellt eine Art Ventil für die Stresskräfte innerhalb des Organismus dar. Es scheint sogar so zu sein, dass sich das Symptom aus physiologischen Gründen immer  eher an "starken" Organen zeigt, denn hier bestehen letztlich Rückzugs bzw. Kompensationsmöglichkeiten des Körpers. Das eigentlich primär und_ursächlich erkrankte System ist jedoch mehr oder weniger ausgefallen und eher symptomarm.

Ein  simplifiziertes Beispiel mag dieses verdeutlichen: Wenn es bei Ihnen zu Hause von der Decke tropft, dann wäre es doch falsch, dort wieder Farbe aufzutragen (Symptomunterdrückung = Schulmedizin). Besser wäre es, das Loch im Dach, - dort wo es durchregnet zu suchen, um dann dort zu reparieren (eigentliche Ursache). Im Organismus verhält es sich wie in diesem Beispiel. Wenn das Dach undicht ist, können wir die genauen Schleichwege des Wassers kaum genau verfolgen bis es dahin gelangt, von wo es tropft.  Genauso bleiben uns die Schleichwege im Körper letztlich verborgen. Die Hinterfragung warum und wieso es zu dieser oder jener Störung kommt bleibt physiologisch oft bis zuletzt ungeklärt. Der Körper ist eine "black box". Was uns bleibt, ist aber die Suche nach dem "Loch im Dach". Und genau das versuchen wir mit der Naturheilkunde. Das o.g. Beispiel verdeutlicht auch, warum die Schulmedizin nicht grundsätzlich abzulehnen ist. Sie kann bei akuten Erkrankungen lebensrettend sein (dann, wenn es so stark von der Decke tropft, dass man zu ertrinken droht bis man das Loch im Dach gefunden hat = Regenschirmprinzip). Die Schulmedizin muss jedoch bei der Behandlung chronischer Krankheiten versagen, weil der Therapieansatz hier letztlich falsch ist.

Naturheilverfahren sind vor allem aber auch noch etwas ganz Anderes. Sie sind sogenannte regulationsmedizinische Verfahren.  Eine gute Regulation bedeutet, dass man auf einen Reiz hin angemessen  reagieren kann. Zunächst dazu ein  Beispiel: Wenn es um uns herum kalt wird, fangen wir an zu zittern. Damit erhöht der Körper seine Wärmebildung. Dies entspricht normaler und guter Regulation. Wenn wir die Kälte ignorieren und uns nicht warm genug anziehen und der Körper durch lang anhaltendes Zittern seine Energiereserven verbraucht, können wir krank werden. Wir haben dann schlecht reguliert. Ein anderes Beispiel: Was macht ein Frosch, den man in einen Topf mit heissem Wasser wirft ? Antwort: Er springt heraus (gute Regulation)!  Was macht dagegen ein Frosch, den man in einen Topf mit lauwarmem Wasser wirft und dann das Wasser langsam erwärmt. Antwort: Er verkocht (Schlechte Regulation, denn die langsame Temperaturerhöhung wird  nicht bemerkt !). Am Beispiel des Frosches können wir erkennen, wie die Regulation und damit die Selbstgesunderhaltung des Körpers durch schleichende Einwirkungen von krankmachenden Faktoren getäuscht werden kann. Und - erkennbar hat Regulation daher auch etwas mit Sinneswahrnehmung zu tun.

Mit Naturheilverfahren versucht man immer - im Gegensatz zu den meisten schulmedizinischen Verfahren, die die Regulation zu verbessern. Wir stärken damit unter anderem auch immer unsere Sinneswahrnehmung, damit die Selbstheilungskräfte wieder anspringen können - sowohl im physischen als auch im psychischen Bereich.

Das Beispiel mit dem Frosch im lauwarmen Wasser verdeutlicht warum es bei uns Menschen zur  Entstehung von schlechter Regulation bzw. chronischen Krankheiten kommen kann. Die Ursachen sind zwar immer vielfältig, aber in jedem Fall kommt es zu einer schleichenden Einwirkung von Kräften. So schleichend, dass unsere Abwehrsysteme sich entweder unbemerkt daran gewöhnen oder eben unsere Sinneswahrnehmungen schon primär gestört waren. Schliesslich sind wir überfordert und am Ende sind unsere Abwehrsysteme völlig erschöpft und wir wissen gar nicht mehr warum.

Im Krankheitsfalle sieht man dann quasi "den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr". Krankmachende Faktoren werden als solche von Körper nicht mehr erkannt, bzw. ignoriert. V.a. bei seelischem Dauerstress als Ursache von Erkrankungen ist uns dieser Faktor hinreichend bekannt. Bewusst jedoch zumeist erst, wenn er von uns abfällt. Man fragt sich dann hinterher oft: "Wie konnte ich das solange aushalten. Ich fühle mich jetzt so befreit." Oder: "Warum habe ich das solange nicht bemerkt ?"

Die Erklärung für den Sinn dieses Gewöhnungsprinzips würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen.

Gute Regulation bedeutet also, wie oben ausgeführt, dass man auf Stressreize hin angemessen reagieren - sie abwehren kann, bevor sie zerstörerisch wirken. Akute Krankheiten, die innerhalb kurzer Zeit wieder zu Ende sind, bedeuten immer dass gute Regulationsfähigkeit besteht. Die Abwehr funktioniert. Sollen wir hier wirklich unterdrückend einwirken, so wie es die Schulmedizin in ihrer unkritischen Anti-Mittelgabe macht (z.B. bei Fieber) ? Unterdrücken wir hier nicht ein lebensnotwendiges System ?

Bei chronischen Kranheiten versuchen wir, mit Regulationsmedizin dem Körper u.a. die auslösenden Faktoren wieder bewusst zu machen. Wir müssen sie dem Organismus in angemessener Stärke neu präsentieren. So - dass er nicht gleich wieder den Kopf in den Sand steckt, sondern eben seinen verbliebenen Ressourcen entsprechend, in angemessener Weise. Oft sind dazu verständlicherweise nur sehr kleine Reize nötig und möglich. Es geht ja letztlich um ein Bewusstwerdungsprinzip (Präsentation eines Aufmerksamkeitssignales). Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Homöopathie. Hier wird ein Medikament in ultrafeinen Dosierungen gegeben, welches  in hoher Konzentration eine Vergiftung darstellen würde, die der ursprünglichen Krankheit des Menschen ähnlich ist. Auf diese feine Dosierung kann der Körper jedoch  noch mit einer Gegenregulation antworten (=Selbstheilungsprozesse anregen).  Im oben genannten Froschbeispiel würde man die Temperatur des noch lauwarmen Wassers vielleicht nur ein wenig, aber sprunghaft ( = Reizsignal) erhöhen, so dass der Frosch die schnell einsetzende Temperaturänderung bemerkt und noch die Kraft hat hinauszuspringen bevor er zerkocht.

Ferner muss in der Regulationsmedizin berücksichtigt werden, wo der Patient zusätzlich unterstützt werden kann, damit er die entsprechende Reizantwort auch vollständig geben kann. Was nützt dem Frosch die Bewusstwerdung des plötzlich heissen Wassers, wenn seine Muskeln zum Sprung schon versagen ? Hier wird auch das ganze  Problem der Erstverschlimmerung sowie krisenhafter Verschlechterung von Krankheiten - auch während naturheilkundlicher Therapien deutlich. Eine Reiz und Regulationsmedizin funktioniert daher nur unter gleichzeitiger Stärkung aller Ressourcen / Entgiftungs und Ausleitungskapazitäten. 

 

 

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